Monday, December 10th, 2018

Das war das bgf 2012!

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Logo des browsergame forum 2012Am 1. und 2. September fand das browsergames forum 2012 in Offenbach statt. Wir vom Browsergame Magazin waren natürlich vor Ort und geben nun für all daheim gebliebenen einen kleinen Zusammenfassung von dem, was sie alles verpasst haben.

Hubertz von BigpointStandesgemäß wurde das bgf 2012 von den Größen der deutschen Browsergame-Branche eröffnet. Im Key-Panel um 10:00 Uhr am Donnerstag referierten Heiko Hubertz (Bigpoint), Dr. Pascal Zuta (Aeria Games), Klaas Kersting (Flaregames), Florian Müller (Travian) und Carsten van Husen (Gameforge) über den aktuellen Stand der Industrie und wie die Zukunft der Branche und auch des eigenen Unternehmen aussehen könnte. Die ersten Worte richtete aber der Gründer des browsergames forum, Dr. Andreas Lober, an das Publikum. Fast schon etwas wehmütig verkündetet er, dass er heute das letzte Mal das bgf eröffnen dürfe. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Dr. Lober die Planung und Ausrichtung an die Software & Support Media Group abgegeben wird, aber weiterhin mit Rat und Tat den neuen Verantwortlichen zur Seite stehen wird. Er erinnerte sich an das erste browsergame forum im Jahr 2005, als sich gerade einmal eine handvoll an Interessierten trafen. Schon damals mit dabei waren unter anderem Heiko Hubertz und Klaas Kersting, die auch diese mal wieder Rede und Antwort standen.

aeria-games-logo-kleinGleich zu Beginn des Key-Panels waren sich die versammelten Sprecher einig, dass sich die Browsergame-Branche nicht in der Krise befinden würde, die Zeiten aber deutlich härter geworden sind. Dr. Pascal Zuta von Aeria Games meinte, die heutigen Browsergame-Firmen verdanke ihre Größe unter anderem den Big Playern wie EA, die erst sehr spät in das Geschäft rund um das Free-to-Play-Modell eingestiegen sind. Das habe den Browsergame-Firmen die Chance eröffnet bis zum heutigen Tag so zu wachsen. Mit dem Einstieg der großen Computerspielenfirmen wird das Tagesgeschäft nun aber umso härter. Viele Browsergame-Firmen würden heute von ihren Cash-Cows aus alten Tagen profitieren, neue dauerhafte Erfolge sind aber seltener geworden. Als größtes Problem stellt sich die Anwerbung von neuen Usern dar. Durch den gnadenlosen Konkurrenzdruck und anderen Unternehmen die riesiges Kapital besitzen, sind die Kosten in Höhen geschossen die es schwer machen ein Spiel profitabel betreiben zu können.
traviangames-logo-mini
Auf die Frage, wie man sich den heutigen Problemen stellen möchte, fielen die Antworten erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Bigppoint wolle sich zukünftig auf wenige, dafür auf Spiele mit hoher Qualität konzentrieren. Als Beispiel gab Hubertz das kommende Game of Thrones-Browsergame an. Man wolle bei Bigpoint weniger Geld ins Marketing stecken, dafür das gesparte Geld aber in die Spielqualität investieren. Dadurch das man sich auf Core-Games fokussiert, ist Mobile bei Bigpoint auch kein Thema mehr. Denn diese Core-Games lassen sich einfach nicht auf die Mobilgeräte übertragen. Ganz anders sieht es bei Flare Games von Klaas Kersting aus. Hier steht Mobile ganz im Mittelpunkt und man wird sich auch weiterhin darauf konzentrieren. Bei Travian Games werden im kommenden Jahr einige neue Spiele veröffentlicht, dennoch wolle man sich auch weiterhin auf die schon bestehenden Spiele fokussieren und sie mit weiteren Features ausbauen. Einig waren sich die Redner, dass ihre Firmen in Zukunft verstärkt auf externe Entwicklerstudios zurückgreifen werden. Es würde mehr Sinn machen, ein schon auf ein Thema/Genre spezialisiertes Entwicklerstudio zu beauftragen, statt ein eigenes Team zusammenzustellen.

Auch auf die Abschlussfrage, vor welchen anderen Unternehmen sich denn die Browsergame-Größen am meisten fürchten fiel das Fazit fast schon einstimmig aus. Am meisten Respekt habe man von Zynga. Auch wenn das Spieleunternehmen momentan schwer zu kämpfen hat, habe es doch genügend Kapital und Potential um noch einmal für Furore zu sorgen. Bigpoints Hubertz wies darüber hinaus auf die asiatischen Unternehmen hin, die ebenfalls mit viel Kapital ausgestattet sind, um den Markt ins rotieren zu bringen. Weitere Namen die fielen waren Wargaming und Kabam, die deshalb gefährlich werden können, da sie eben nicht so im Fokus stehen, wie beispielsweise ein Zynga.

Man darf gespannt sein, wie sich die Browesergame-Branche und vor allem die involvierten deutschen Unternehmen entwickeln werden. Sicher ist aber eins, ob Krise oder nicht, auf dem kommenden bgf 2013 wird es sicher wieder eine interessante Key-Note geben.

Nach der Keynote ging es weiter mit einem Vortag mit dem Titel: „Money, Metrics, and the world outside“ von Pascal Zuta. Er demonstrierte mit allerlei Statistiken und Diagrammen, welche lokale oder globale Ereignisse Einfluss auf das Spielverhalten haben. So startet man ein neues Browsergame in der Türkei am besten während des Ramadan. In dieser Zeit schießen nicht nur wegen der heißen Temperaturen die neuregistrierten Spielerzahlen in die Höhe. In einem weiteren Diagramm bestätigte er das Vorurteil, dass viele Gamer unglückliche Singles sind. So stieg die Retention Rate beispielsweise am Valentinstag um satte 30%. Aber auch Events haben einen starken Einfluss auf die potentielle Spieler. Während es bei den deutschen Spielern während der Europameisterschaft im Sommer in Polen und der Ukraine einen starken Einbruch in der Statistik gab, veränderte sich im selben Zeitraum bei den englischen Spielern praktisch nichts. Im Gegensatz zu den Deutschen, hatten die Engländer ihre Mannschaft also schon von Anfang des Turniers abgeschrieben, wohl eine Reaktion auf das frühe Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft 2010.


Bevor es zum Launch ging, folgten noch die beiden Vorträge „Itemization in f2p games“ von Teut Weidemann und „From client to browser and back again“ von Doki Tops (Kalydo). So sprach Teut Weidemann über den Unterschied von „Direct Monetisation“ und „Item Monetisation“. Gerade letzteres würde sich in den meisten Fällen anbieten, da die Vorteile wie der Besitz des Items, die Sammel-Eigenschaft und die Eigenschaft des Schenkens oder Tauschens doch sehr dafür sprechen.
Doki Tops stellte seine Streaming-Plattform Kalydo vor. Mit ihr soll es möglich sein, in 120 Stunden ein Client-MMO in ein Browsergame zu transferieren. Darüber hinaus teilte er einige Learnings mit, wie z.B. das bei der Umsetzung vor allem kleine Details wie die Möglichkeit eines Fullscreens wichtig seien. Auch das jeder zusätzliche Klick User kostet, ein Server Button die Konversationsrate um 6% senke, Sicherheitssoftware und ein schlechter Ladebalken diese um jeweils weitere 4% senke und selbst ein fehlender Play-Button für eine Verringerung von bis zu 7% sorgen könnte. Am Ende überraschte Tops mit seinem Fazit, denn er der mit dem Kalydo-Player die Spiele in den Browser bringt, glaubt das diese in Zukunft wieder auf den Desktop zurückkehren werden.

Neben den Vorträgen steht natürlich auch das Netzwerken auf dem browsergame forum im Mittelpunkt. Bei keiner Veranstaltung sonst im Jahr, wird man die Browsergame Branche so konzentriert auf einem Fleck finden. So ergaben sich vor, während und auch nach dem Launch viele gute Gespräche und einige neue Kontakte wurden geknüpft.

Auch Abseits der klassischen Browsergame-Themen gab es auf der bgf 2012 weitere viele interessante Vorträge. So kamen mit Dr. Andreas Lober, Dr. Jan Rasmus Ludwig und Marian Härtel drei Juristen zu Wort, die mit ihren Vorträgen wie „Legally Going Mobile“ oder „Bots kill Onlinegames?“ ebenfalls den ein oder anderen Entwickler neue Erkenntnisse auf einem Gebiet vermitteln, von dem man sonst einen weiten Bogen macht.


Im Mittelpunkt des diesjährigen bgf waren die Themen Spielefinanzierung und Investitionen. Natürlich gab es deshalb auch zu diesen Themen allerlei Vorträge wie beispielsweise der Vortrag „Investing in the Games Industry: Why we do it and a few pointers how you get it“ von Micheal Reul von der iVentureCapital GmbH.

Fazit:
Mit vielen spannenden Vorträgen war das browsergames forum 2012 mal wieder ein Pflichttermin für alle Beteiligten der Browsergame Branche. In Offenbach traf sich das Who-is-Who der Browsergame-Szene. So standen bei einigen nicht die Vorträge im Mittelpunkt, sondern das persönliche Gespräch und der gegenseitige Austausch. Dies machte sich teilweise auch in recht dürftig besuchte Vorträge bemerkbar. Im Großen und Ganzen knüpft das bgf 2012 aber nahtlos an seine Vorgänger an. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf das kommende browsergame forum 2013!


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