Tuesday, December 11th, 2018

Die Macher von YouTank im Interview

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YouTank InterviewNach langer Zeit haben wir endlich mal wieder ein exklusives Interview für euch. Diesmal redeten wir mit den Machern hinter dem innovativen Browsergame YouTank. Welche Probleme es bei den steuerbaren Minipanzern gegeben hat, warum man vielleicht bald bei YouTank durch einen Vergnügungspark fahren kann und ob man bald auch die Kontrolle über U-Boote oder Luftschiffe übernehmen darf, das erfahrt ihr alles im nachfolgenden Interview mit Tobias und Stephan von Farloc.

1.) Hallo Tobias und Stephan, stellt doch bitte euch und euer Unternehmen kurz unseren Lesern vor
Hallo und danke für die Gelegenheit, etwas ausführlicher über unser Projekt zu sprechen. Wir sind Stephan, Maschinenbauer, und Tobias, Physiker, und haben im Juli 2011 Jahren das Unternehmen Farloc gegründet. Farloc ist sozusagen ein klassisches Garagen-Start-Up. Wir haben das Ziel, Online-Spiele zu machen, die auf echten Fahrzeugen beruhen. Wir haben die dafür notwendige technologische Infrastruktur entwickelt und wollen nun das Panzerspiel YouTank vermarkten.

2.) Euer erstes Browsergame ist „YouTank“. Was ist an dem Spiel so besonders und wie seid ihr darauf gekommen?
Bei normalen Computerspielen werden Fahrzeuge und die Landschaft berechnet und das Fahrverhalten simuliert. YouTank ist das erste Spiel bei dem das nicht so ist. Bei uns fahren tatsächlich echte Modellbaupanzer durch eine echte Modellbaulandschaft. Die Anlage in der die Panzer fahren steht bei uns in Osnabrück und erinnert ein wenig an das Miniatur Wunderland. Alle Fahrzeuge sind mit Funkkameras ausgerüstet, so dass jeder Spieler im Webbrowser ein live Videobild direkt aus seinem Miniaturpanzer heraus angezeigt bekommt. Er sieht so die Landschaft aus einer Perspektive, als würde er selbst im Panzer sitzen. Durch die Kameraperspektive im Panzer erscheint die Miniaturwelt lebensgroß. Natürlich sieht man auch die anderen Panzer in voller Größe und kann zuschauen, wie sie von den anderen Spielern durch die Landschaft gesteuert werden. So erwacht das Spielfeld zum Leben. Es ist einfach ein tolles Gefühl ein robustes, voll funktionsfähiges Kettenfahrzeug aus der Ich-Perspektive fernzusteuern. YouTank_7
Wie sind wir auf YouTank gekommen? Durch Begeisterung für die Mars-Rover der NASA, durch Laser Tag spielen und auch durch den Spaß an ferngesteuerten Modellen. Inspirierend war auch, wie Modellbaupiloten mittlerweile ihre Flugzeugmodelle mit Hilfe von eingebauten Kameras fernsteuern können. Diese Art sein Modell zu steuern nennt sich „First Person View“ (FPV) und erlaubt eine Steuerung „aus der Ich-Perspektive“. Dabei kommen in den Flugmodellen, genau wie in unseren Modellpanzern, Funkkameras zum Einsatz, deren Bild der Modellflugzeug-Pilot über eine Videobrille oder einen Bildschirm sehen kann. Er kann sein Modell in Echtzeit steuern und sieht sofort, wohin es sich bewegt. Genau diese Sicht aus der Ich-Perspektive haben wir bei unseren Modellpanzern auch. Mit dem faszinierenden Unterschied, dass bei uns die Modelle nicht nur ein paar hundert „Meter“ entfernt sind, sondern ein paar hundert oder tausend „Kilometer“ – je nachdem, wie weit weg der Spieler von dem Standort unseres Spielfeldes in Osnabrück entfernt ist. Durch die enorme Geschwindigkeit und geringe Verzögerung die das Internet heute bietet, kann ein Spieler in Berlin mit YouTank ganz einfach einen Mitspieler aus Paris, London oder Moskau in Osnabrück abschießen, anrempeln oder sogar umwerfen, genau solange bis Paris, London und Moskau gemeinsam in Osnabrück gegen den Berliner zurückschlagen. Die Idee über große Entfernung etwas Reales zu steuern hat einfach etwas Faszinierendes.

3.) Könnt ihr etwas zu den technischen Hintergründen des Projekts sagen?
Technologisch gesehen beruht YouTank zum einen natürlich auf Software, aber zum anderen eben auch auf echten mechanischen Komponenten. Softwareseitig gibt es in der Gamesbranche eigentlich nicht viel Neues. Für Webclients, native Clients, Webserver und Datenbanken gibt es einen gut bekannten Blumenstrauß an Lösungen, der so zusammengestellt wird, dass er gut zum Geschäftsmodell passt. World of Tanks verwendet z.B. plattformabhängige native Clients, Tankionline dagegen verwendet plattformübergreifend Flash.
Wir haben uns 2010 für die plattformübergreifende Flash-Lösung entschieden. Im Raum stand damals aber auch eine Java-basierte Lösung. Gut dass wir das nicht gemacht haben! Heute ist aber die Akzeptanz für große Downloads gestiegen, wohingegen die Cross-Browser-Kompatibiltät verschiedener Plattformen nicht gerade besser geworden ist. Vielleicht würden wir deshalb heute anders entscheiden.
Für die Mechanik haben wir eine bunte Palette an möglichen Lösungen erprobt. Das umfasst natürlich die Panzermodelle selbst, insbesondere die Antriebsmechanik und die Laserkanone, aber auch den Landschaftsbau und die Video-Übetragung.

4.) Muss von euch auch händisch eingegriffen werden, oder laufen die Spiele komplett ohne eure ständige Überwachung ab?YouTank_1
Darüber haben wir viel nachgedacht und nach fertigen Lösungen gesucht. Schlussendich haben wir eingesehen, dass es Modelle für diese Anforderungen auf dem Markt nicht gibt. Normale Panzermodelle halten die Belastung einfach nicht aus. z.B. springen die Ketten bei den von uns getesteten Modellen viel zu leicht ab wenn die Panzer seitlich durch einen anderen Panzer geschoben werden. Deswegen haben unsere Panzer nun ein speziell gegen dieses Problem entwickelten Kettenantrieb. Ein tolles Feature ist auch, dass ein umgefallener Panzer sich aus eigener Kraft wieder aufrichten kann. Dazu ist jetzt der Turm so kräftig drehbar, dass ein auf der Seite liegender Panzer sich mit der Kanone selbst vom Boden abstoßen kann und so wieder auf den Ketten landet.

5.) Mit welchen Problemen hattet ihr zu kämpfen und wie habt ihr sie gelöst?
Die zentralen Probleme beim YouTank-Prinzip ergeben sich aus der Anforderung, dass die Panzer zugleich extrem robust und nahezu wartungsfrei laufen müssen. Nur dadurch ist ein Rund-um-die-Uhr Betrieb wirtschaftlich überhaupt möglich. Wir haben deshalb jede mechanisch beanspruchte Stelle untersucht und setzen genau abgestimmte Materialkombinationen ein. Insbesondere halten wir auch die Temperatur der Teile im Panzer durch entsprechendes Design unter Kontrolle. Wir setzen bürstenlose Motoren mit einer eigens auf Dauerfestigkeit optimierten Steuersoftware ein. Wir haben eine drahtlose Energieversorgung entwickelt, mit der die Panzer die benötigte elektrische Energie aus der Umgebung entnehmen können. So können wir auf Akkus komplett verzichten und haben keine Pausen durch Aufladen oder Akkuwechsel. Softwareseitig war die echtzeitfähige Videokompression problematischer als gedacht, aber auf diesem Gebiet haben wir viel durch Open-Source Software gelernt.

6.) Im Gegensatz zu den rein virtuellen Browsergames, können bei YouTank nicht tausende, nein nicht einmal hunderte Spieler gleichzeitig spielen. Hat so euer Spiel eurer Meinung nach überhaupt die Chance aus der Nische heraus zuwachsen und wirklich erfolgreich zu werden?
Wir versuchen gar nicht die zehntausende Spieler von virtuellen Browsergames zu erreichen, denn wir können tatsächlich nur soviele Spieler gleichzeitig spielen lassen, wie wir auch Panzer haben. Wir müssen ja die Panzermodelle und die Modelllandschaft instandhalten und die Technik die im Hintergrund arbeitet finanzieren. Das kostet natürlich erheblich mehr Geld als das Betreiben eines Servers für Spielesimulationen.
Der Reiz von YouTank liegt aber darin etwas Reales fernzusteuern. Eine ganze Modellbau-Industrie lebt davon, dass die Menschen nachwievor Spaß an echten Modellfahrzeugen haben. Auch Laser Tag oder Gotcha ist immer noch beliebt, obwohl es ähnliche Spiele auch als Simulation gibt. Es ist eben nicht das Gleiche, ob man etwas simuliert oder ob es wirklich real passiert.

7.) Wie wollt ihr mit YouTank Geld verdienen?YouTank_6
Wir haben verschiedene Modelle im Kopf, die wir nun der Reihe nach testen wollen. Derzeit kann man YouTank noch komplett kostenlos spielen. Nur wenn viel los ist und man auf einen Panzer warten muss, kann man die Wartezeit im Rahmen einer Auktionsrunde wie bei Ebay verkürzen. Man kann also zahlen, muss aber nicht. Ein anderes Modell bei uns in der Pipeline ist, das free-to-play Prinzip aufzugeben und auf jeden Fall erstmal einen kleinen Betrag einzusammeln. Danach kann jeder dann spielen solange er will. Wir denken natürlich auch an klassische Monetarisierungswege wie z.B. in-game-sales basierend auf Schadensmodellen oder Kampfwertsteigerungen (schnellerer Panzer, stärkere Laserkanone, robustere Panzerung, schnellere Reparatur, …). Denkbar ist auch Werbung.

8.) Wird es später für zahlende User, bessere Panzer geben (schneller, Doppel-Laser o.ä.)?
Wir haben viele Ideen für Extras. Im Moment ist der Laserschuss ja nur direkt nach dem Schuss für einen Sekundenbruchteil gefährlich und der Laser leuchtet dann ungefährlich noch etwas nach, damit er besser sichtbar ist. Früher hatten wir die Zeit, in der der Laser gefährlich ist, länger eingestellt. Dadurch waren Streifschüsse beim Drehen des Panzers möglich. Das hat viel Spaß gemacht, war aber für neue Spieler verwirrend. Ein interessantes Extra wäre auch die Rotationsbombe, bei der sich der Panzer selbständig um einen bestimmten Winkel dreht und die Laserkanone dabei dauerhaft feuert. Eine 360° Rotationsbombe wäre natürlich auch lustig. Einen zeitlich begrenzen Turbogang für den Panzerantrieb oder eine schnellere Turmdrehung sind auch denkbar.

9.) Glaubt ihr man könnte das YouTank-Prinzip auch auf andere Settings übertragen, z.B. ein Autorennen o.ä.? Hattet ihr vor der Panzeridee solche Überlegungen?
Ja, das Prinzip ist auf viele weitere Settings übertragbar! Wir sehen YouTank als erstes Beispiel einer neuen Klasse von Online-Spielen, die auf der Echtzeit-Steuerung von realen Objekten beruhen. Eine konkrete Überlegung war Autoball, wie man das aus TV total kennt, aber das hat sich in unseren Umfragen nicht gegen die Panzer durchsetzen können. Autorennen sind machbar, aber der größte Favorit bei uns im Team waren und sind U-Boote. Luftschiffe, Crawler, Bagger, …

10.) Was ist für die Zukunft noch geplant?
Wir möchten in Zukunft die Modelllandschaften erweitern und mehr Panzer hinzufügen. Ein schönes und etwas verrücktes Thema für ein weiteres Spielfeld wäre ein Jahrmarkt mit panzertauglichen Schiffsschaukeln, Karussell, Seilbahn, Sprungturm bis hin zur Achterbahn. Wenn das Konzept langfristig erfolgreich ist wären ferngesteuerte U-Boote eine schöne Idee!

Wir bedanken uns für die ausführlichen Antworten!


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Comments

2 Responses to “Die Macher von YouTank im Interview”
  1. Marius sagt:

    Kling echt gut, wünsche den Jungs viel Erfolg!

  2. Tobi sagt:

    Das wird an der Skalierbarkeit scheitern, wie soll man denn damit wirklich Gewinne machen, womit eine Firma auch leben kann??? Aber die Idee ist geil 😀

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